Kann man auch in der Berufungsinstanz die Klage auf einen anderen Beklagten umstellen?

Ja, allerdings reicht hier Sachdienlichkeit nicht aus, vielmehr muss der neue Beklagte stets zustimmen. Schließlich geht ihm eine Tatsacheninstanz verloren, da er den Prozess ja erst in der Berufung übernehmen muss.

Wie stellt der Kläger seine Klage auf einen anderen Beklagten um?

Hier ist eine neue Klage (im selben Prozess) gemäß § 253 Abs. 1 ZPO zu erheben. Eine Klageerweiterung (§ 261 Abs. 2) reicht nicht, da gegenüber dem Adressaten ja noch kein Verfahren anhängig ist.

Der neue Beklagte wird gemäß §§ 263 und 267 ZPO Partei, sofern er einwilligt oder die Umstellung (wie fast immer) sachdienlich ist. Der alte Beklagte scheidet nur aus, wenn er zustimmt, da er (wie bei der Klagerücknahme, § 269) einen Anspruch auf ein rechtskräftiges Urteil hat.

Ist es ratsam, sich vor Gericht selbst zu verteidigen?

Das kommt darauf an.

Grundsätzlich kann man nur vor dem Amtsgericht (höchstens 5000 Euro Streitwert sowie einige Sonderzuständigkeiten wie Mietstreitigkeiten) ohne Anwalt auftreten. Und prinzipiell ist es auch so, dass man als Beteiligter vor Gericht keine Rechtsausführungen machen, sondern nur Tatsachen schildern muss. Aber die Frage, welche Tatsachen von Bedeutung sind und wie man seine Behauptungen beweisen kann, bedarf oftmals eines geschulten rechtlichen Sachverstands.

Im Endeffekt muss jeder Kläger und Beklagte selbst wissen, was er sich zutraut – gleichzeitig muss ihm aber klar sein, dass er erst beim Urteil erfährt, ob sein Selbstvertrauen gerchtfertigt war.

Wer steht im Urteil, wenn es einen Parteiwechsel im Prozess gab?

Partei ist grundsätzlich nur, wer am Ende des Rechtsstreits beteiligt war. Der Tenor ist Grundlage für die Vollstreckung des Urteils, daher muss dieser die tatsächlichen Beteiligten aufführen, da nur diese Anspruchsinhaber und -gegner sein können. Bei Rechtsnachfolge kann die ausgeschiedene Partei allenfalls noch erläuternd erwähnt werden („A als Rechtsnachfolger des B“).

Ein früherer Beteiligter ist aber im Urteil aufzuführen, wenn er noch eine Rolle spielt, z.B. weil über seine Kosten zu entscheiden ist.

Bin ich vorbestraft, wenn ich den Prozess verliere?

Nein. Ein Zivilverfahren hat mit der strafrechtlichen Seite nichts zu tun. Das Urteil stellt nur fest, dass bestimmter Anspruch besteht. Das ist keine strafrechtliche Verurteilung zu einer Geldstrafe.

Das gilt auch dann, wenn der Grund für den Zivilprozess eine strafbare Handlung darstellen kann. (Beispiel: A klagt gegen B auf Schmerzensgeld wegen eines Verkehrsunfalls. Damit steht zumindest theoretisch im Raum, dass sich B einer fahrlässigen Körperverletzung strafbar gemacht haben könnte.)